Grünenberg zwischen Bern und Habsburg
Vortrag von Lukas Wenger, gehalten an der Hauptversammlung des Historischen Vereins des Kantons Bern [1] vom 20. Juni 1999 in Melchnau.
Die Familie von Grünenberg
Die Hochblüte der Grünenberg 1340 bis 1375
Für die nun kommende Periode der Hochblüte wollen wir für einmal den Blick in die Geschichte ein wenig anders werfen. Betrachten wir für einmal in einem Überblick, wohin es unsere Adligen in der weitverzweigten Familie verschlägt.
Walter IV. von Grünenberg zum Beispiel erhält in der Mitte des
14. Jahrhunderts als Pfand Unterseen,
Unspunnen und Oberhofen.
Bei der Begleichung der Schuld nennt er sich «Kirchherr
von Deitingen» und «Canonicus
von Zofingen». Er verkauft seinem grossen Vetter
Petermann I. einen Viertel des Kirchensatzes Burgrain
– dort steht heute noch die mit dem Verein Burgruine
Grünenberg befreundete Ruine
Kastelen (Burgrain) – und verleiht den Sagenacker in
Langenthal. Nachdem er die Herrschaft
Wolhusen in einem Vergleich von 1370 wieder an
Habsburg abtreten muss, erhält er die Feste
Gutenburg.
Berchtold I. und Petermann I. von Grünenberg erhalten als Belohnung für Kriegsdienste im Gümmenenkrieg Twing und Bann von Gondiswil und das Gericht Madiswil verpfändet. Berchtold I. nimmt den Zehnt von Kriegstetten zu Lehen. Neben dem Stellvertreteramt im Landgericht Buchsgau hält er den habsburgischen Zoll zu Brugg. 1371 erwirbt er Rohrbach als Bindeglied zwischen Madiswil und dem Städtchen Huttwil, das sieben Jahre darauf wieder an Grünenberg kommt.
Markwart VII. lernen wir als Probst des Frauenklosters
Fahr an der Limmat nahe von Zürich kennen,
eine Stelle für Ordensbrüder der Abtei Einsiedeln.
Im Jahr 1364 wählt ihn der Konvent des Benediktinerklosters
Einsiedeln zum Abt – Markwart VII. und seine Familie
steigen damit in den Reichsfürstenstand auf. In den Annalen des
Klosters gerühmt sowohl seiner edlen Abstammung als auch seiner
Tugenden wegen, stirbt er 1376.
Margaretha, aus dem Familienzweig von Binzen, bekleidet in derselben Zeit eine ebensolche Stelle: Sie leitet als Fürstäbtissin von 1355 bis zu ihrem Tode 1380 [2] das noble Damenstift Säckingen (im Bild: die heutige Stiftskirche des Fridolinsmünsters).
Petermann I. von Grünenberg kommt über seine Gemahlin Margaretha von Kien zur Herrschaft Aarwangen. Dies, nachdem ihr Oheim Ritter Johann von Aarwangen plötzlich ins Kloster St. Urban eintritt. Mit diesem Erbe verbunden sind weitreichende Geschäfte, denn Johann vermacht dem Grünenberger Pfandschaften im Schwarzwald, im Aargau und in Rothenburg sowie Lehen des Königs von Böhmen. Zudem wird er zum Gläubiger des Deutschen Kaisers und des Französischen Königs. 1351 wird er habsburgischer Vogt zu Unspunnen und damit zugleich auch Herr von Unterseen, wohl weil er sowohl Bern als auch Habsburg genehm ist.
In den kommenden Jahren erwirbt er einen Teil der Rechte in Burgrain, verkauft er Güter in Geristein und Steffisburg. Von Österreich erhält er das Lehen Tschingelberg in Grindelwald, ein Gut in Hilterfingen und den Hof von Kirchen im Breisgau. Schon vorher ist durch das Erbe von Johann von Aarwangen das Amt Spitzenberg bei Langnau im Emmental an ihn gekommen.
1363 ernennt man ihn zum Pfandherrn des «Inneren Amtes Wolhusen», dies entspricht der Landschaft Entlebuch. Um 1366 gelangt das habsburgische Amt Rothenburg mit Stadt und Feste an Petermann I.
* * *
In dieser Zeit in der Mitte und gegen Ende des 14. Jahrhunderts
sehen wir also Grünenberger verstreut vom Berner Oberland
über die Regionen Bern, Solothurn und Basel ins Luzerner
Hinterland bis vor die Tore Luzerns, dazu haben sie Besitz und
Rechte im Aargau, im Breisgau bis hinein in den Schwarzwald und
nach Böhmen. Dazu kommen Beziehungen zu den Dynastenhöfen
von Kyburg, Savoyen und Habsburg, ja sogar an die
Königsresidenzen von Prag, Budapest und Paris. Geistliche
Grünenberger werden als Abt und Äbtissin Reichsfürsten
in Einsiedeln und Säckingen. Die weitverzweigte Familie lebt
und wohnt in Burgen nicht nur hier – Grünenberg und
Langenstein –, sondern in Aarwangen, Binzen und Rothenburg.
Anmerkungen
[1] Historischer Verein des Kantons Bern im Internet: http://www.stub.unibe.ch/extern/hv/.
[2] Sie hat das Stift «summa cum laude», mit höchster Auszeichnung geführt. , Max: Die Freiherren von Langenstein-Grünenberg, Langenthal, 1994. Seite 161.
